In Dankbarkeit verbunden mit allen, die mit ihrem Atem das WERDEN auf dem Planeten ermöglicht haben und mit denen wir heute gleichzeitig für die Zukunft des Planeten atmen.
Wir sind soweit: In den von der europäischen Kultur beeinflussten Ländern setzen sich viele Menschen mit sich selbst auseinander, um Muster der Vergangenheit zu erlösen. Es stehen heute die unterschiedlichsten Methoden dazu zur Verfügung. Die Anstrengung, die unternommen wird, kommt allen zu Gute: Die Teufelskreise von Projektionen können unterbrochen werden und die Möglichkeit, anders mit sich und den anderen umzugehen, wird näher kommen. Die Kinder werden die neuen Muster schon zu Hause erlernen und, so bleibt zu hoffen, das Neue wird sich ausbreiten können und eine Neue Welt erschaffen.
Alles, was geschieht, überschreitet Grenzen. Das Neue, das dem neuen Zeitgeist entspricht, breitet sich wie ein Lauffeuer aus, auf allen Ebenen. Alles hat globale Auswirkungen und unser Denken kann das langsam erfassen.
Diese Studie ist an jene gerichtet, die bereits erkennen, dass wir auf dem Planeten alles miteinander teilen – es gibt keinen Bereich, wo etwas nur uns und unsere nächste Umgebung angeht.
Mir geht es darum, die Erde in einen grösseren Zusammenhang zu stellen, weil dieser wunderbare Planet seine Möglichkeiten nur dann verwirklichen kann, wenn seine kosmische Funktion vom Menschen verstanden wird. Ich möchte mit den Impulsen – die nicht ausführlich behandelt, sondern nur angetippt werden – in jedem Menschen das Neue anregen und dadurch zu neuen Fragen öffnen.
Der Himmel ist voll von eueren Gebeten
Was nötig ist, ist Liebe
Suleiman Dede
Mevlevi Order of America
Wissen verankert Liebe
Reshad Feild
Chalice Kreis
Wir erforschen heute eifrig das Kleinste und das Grösste. Wir können nachvollziehen, wie das ganze Universum aus einer Singularität entstanden ist und können die Vorgänge bis auf den Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall zurückverfolgen. Die Quantenphysik hat die sichtbare Welt bis in ihre kleinsten Bestandteile seziert – bis in die subatomaren Teile, die blosse Möglichkeiten aber keine feste Wirklichkeit mehr sind. Und wir wissen, dass jegliche Forschung nur unsere Fragen beantworten, nicht aber über die Wirklichkeit selbst etwas aussagen kann.
Das ist heute Naturwissenschaft. Wie verbindet sich dieser enorme Schatz an Wissen mit den gelebten Problemen unserer Zeit? Und wo ist die Brücke zwischen Naturwissenschaft und erlebter Spiritualität? Welchen Wert hat dieses Wissen in Zusammenhang mit der „Vielheit in der Einheit“ der Mystiker? Wie geht es weiter?
Mit der Zeit lernen wir, immer intelligentere Fragen zu finden, damit wir besser verstehen, was die Wirklichkeit ist. Unsere Zukunft hängt von unseren Fragen ab - davon, dass wir die richtigen Fragen finden. Die Frage bestimmt den Weg, den wir gehen: Eine falsche Frage bringt uns auf einen Weg, der nicht zum Ziel führt. Etwa im Sinne von "Nomade, du wirst Mekka nicht erreichen, weil dein Weg nach Turkestan führt".
Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel von Patrizia Norelli-Bachelet im Internet gefunden. Sie lebt in Indien und hat ein Zentrum, sie führt die Ideen von Sri Aurobindo weiter. Ihre Fähigkeit in Zusammenhängen zu sehen ist beachtenswert. Auch wenn sie umstritten ist. Sie geht davon aus, dass die heutigen Vorgänge auf dem Planeten, Folgen von der früheren geistigen Ausrichtung der Menschheit sind. In diesem Sinne bringt sie den verantwortungslosen Umgang mit den Ressourcen der Erde und die Zerstörung des Ökosystems des Planeten mit der Geisteshaltung des vorangehenden Jahrtausends in Zusammenhang. In diesem Zeitraum wurde sowohl im Westen als auch im Osten, das „Diesseits“ als notwendiges Übel betrachtet, als Schattenwelt ohne essentiellen Wert. Der Sinn eines Körpers, der Inkarnation, wurde im kollektiven Bewusstsein nicht verankert, nicht erkannt und nur eine möglichst schnelle Rückkehr in die Einheit, in den Himmel als erstrebenswert betrachtet. So wurden die Religionen mit ihren reinen Ideen missverstanden. Es waren immer wieder vereinzelte Bestrebungen vorhanden, das Verständnis dafür zu wecken, dass diese diesseitige Welt genau so göttlich ist, wie die jenseitige, aber der missverstandene Zeitgeist verhinderte die Ausbreitung dieses Wissens. In dieser Art der Interpretation wurde schlussendlich auch das Christentum von seiner ursprünglichen Botschaft abgeschnitten und erstickte in der Veräusserlichung. Das „Himmelwertsstreben“ und die Verneinung dieser Welt wurden wie ein kollektiver Schleier über die Menschheit ausgebreitet. Die Sehnsucht der Herzen galt nur dem Entkommen aus dieser Schattenwelt, die der Ort des Leidens war. Und so wurde "der Himmel mit Gebeten gefüllt" und die Menschlichkeit ging dabei verloren.
Wie ist dieses Phänomen entstanden? Damit wir das verstehen, brauchen wir den Überblick in einem grösseren Zusammenhang. Die Anfänge der Neuen Zeit wirken so, dass wir verstehen wollen. Die Kinderkrankheit des Neuen besteht darin, dass wir meinen, das Ganze aus seinen Teilen erklären und verstehen zu können. Obwohl das Kleinste in der Schöpfung seinen Sinn hat, bestimmt immer die grössere Einheit, wie ihre Teile funktionieren. Solange wir das nicht begreifen, werden wir unsere Kräfte unkoordiniert an den Symptomen vergeuden, aber das Ganze wird davon nicht heil. Die Wurzeln des Übels bleiben unangetastet. Wir stellen noch nicht die richtigen Fragen.
Es ist uns bewusst: Wir sind an der Schwelle einer Neuen Zeit. Wir haben genauso Hoffnung auf eine wundervolle Änderung der Welt, wie das vor 2'000 Jahren durch die Erwartungen auf das Erscheinen eines Erlösers der Fall war. Wir spüren, dass die Neue Zeit enorme Möglichkeiten der Bewusstwerdung enthält. Die Frage ist, wie können wir diese Möglichkeiten verwirklichen? Die Möglichkeiten können ja nur durch den Menschen auf diesem Planeten verwirklicht werden.
Ein spiritueller Aufbruch ist unübersehbar. Gleichzeitig sind dunkle Mächte am Werk, die mit unterschiedlichen Mitteln die Verwirklichung dieser Möglichkeiten unterminieren, gegen sie arbeiten. Vor allem der Zerfall von Moral, die Zerstörung und Verhinderung von individueller Entwicklung ("Musik", Drogen, Ernährung, zersetzende Frequenzen, u. s. w.) führen zum Abstumpfen von Einfühlungsvermögen, zu Gleichgültigkeit gegenüber Werten, zu Brutalität und Elend. Das ermöglicht Ausbeutung ohne Grenzen auf der einen Seite und Manipulierbarkeit auf der anderen und ist die Grundlage für die Zerstörung der Menschheit und ihren Lebensraum. Unwissenheit nimmt zu und Vorstellungen – z. B Fundamentalismus - ersetzen Wissen und breiten sich wie Seuchen aus. Wir ertrinken in den Wellen von Informationen und glauben nicht mehr daran, dass es eine andere Art von Wissen gibt, das erstrebenswert wäre.
Mit einem kindlichen Optimismus können wir gegen diese Missstände nicht viel ausrichten. Objektivität ist gefragt. Objektivität bedeutet zu sehen, was ist. Auf der anderen Seite wissen wir heute auch: Wir können nur das erkennen, was wir wissen. Wie kommen wir zu Wissen – zum Wissen um übergeordnete Zusammenhänge, Gesetzmässigkeiten und Wirkungsweisen? Die Welt braucht Menschen, die in drei Bereichen geschult sind: in Wissen, in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit (Liebe) und in der Fähigkeit zu handeln (Macht zu handeln). Dies sind die drei Pole der Sufi-Tradition, ausgedrückt in der heutigen Sprache. Um diese Fähigkeiten entwickeln zu können, braucht es einen Schulungsweg, sie sind uns nicht von vornherein gegeben. Die Beteiligung an der Ausarbeitung einer neuen, der Zeit entsprechenden spirituellen Ausrichtung, kann erst nach einem jahrelangen, inneren Prozess fruchtbar sein.
Patrizia Norelli-Bachelet hat erkannt, dass auf lange Sicht einzig und allein eine neue spirituelle Ausrichtung helfen kann. Um eine Ausrichtung zu finden, braucht es einiges zu erarbeiten:
Der Rahmen, in welchem ich die neue Periode der Menschheit behandeln möchte, ist das grosse Weltjahr von rund 26'000 Jahren. Diese Periode ergibt sich durch die kreiselartige Bewegung der Erdachse, der Präzession, die in diesem Zeitraum einen vollen Kreis beschreibt. Dadurch verschiebt sich der Frühlingspunkt in Zusammenhang mit den zwölf Sternbildern, die um die Ekliptik herum angeordnet sind. So ergibt sich in jedem Sternbild für einen Weltenmonat ein Zeitraum von rund 2'100 Jahren. (Nicht zu verwechseln mit den zwölf gleichnamigen Zeichen des Tierkreises, die durch die Bewegung der Erde um die Sonne jährlich durchlaufen werden.) Einfachheitshalber werde ich von den zwölf Zeichen sprechen.
Der geschlossene Kreis der Zwölfheit hat keine Dynamik. Die Ideen werden erst durch die in der Zeit wirkende Siebenheit verlebendigt. Durch sie werden die wechselnden Interferenzen im Energiefeld erzeugt, die wiederum als Prozesse in der Zeit ablaufen. Erst dadurch werden die jenseits der Zeit verankerten, an und für sich noch leblosen Ideen verwirklicht. Damit kann Entwicklung, Veränderung, Wachstum und Transformation sowohl im Makro- wie im Mikrokosmos stattfinden.
In der Überlieferung der klassischen Astrologie heisst es, dass die Menschheit sich kollektiv von den Füssen hinauf zum Kopf entwickelt. Dieser Prozess wird durch die Weltenmonate markiert, die von den Fischen (Füsse) zu Wassermann, (Waden) Steinbock, (Knie) u. s. w. fortschreiten. In der zweiten Hälfte dieser Aussage heisst es, dass die individuelle Entwicklung in umgekehrter Reihenfolge geschieht: Vom Kopf („Golgatha“ = Hügel der Schädel) hinunter zu den Füssen (verstehen).
Das Studium des Energiekreises der Zwölfheit (jenseits von dem, was wir heute Astrologie nennen) ist die Basis für das Verständnis dieser Vorgänge. Im Rahmen dieser Schrift ist nur eine kurze Beschreibung möglich. (Mehr siehe: Agnes Hidveghy: Astrologie als kosmologisches System. Transkribierte Vorträge und Studien in Bearbeitung.)
Eine Grundstruktur der Zwölfheit bilden die vier Elemente. Das, was uns als Erde, Wasser, Luft und Feuer sinnlich wahrnehmbar und vertraut ist, sind die Widerspiegelungen der vier Elemente in der materiellen Welt. Sie sind die Bauelemente des Menschen als Ganzes. Wir können sie als die vier Stofflichkeiten unterschiedlicher Dichte, der körperlichen, emotionalen, mentalen und der Impuls gebenden Bereiche bezeichnen. Alles, was wir als Leben erfahren, entsteht aus diesen Substanzen.
Die vier Rassen der Menschheit auf dem Planeten verkörpern ebenfalls die vier Elemente, die vier Stofflichkeiten, aus denen wir zusammengesetzt sind. Die weisse Rasse lebt durch die Emotionen – Element Wasser, so wie die gelbe Rasse durch das Mentale, Element Luft. Die schwarze Rasse bezieht ihre Identität durch den Körper, Element Erde und die Indianer, als Vertreter der roten Rasse, durch die Macht des Willens, Element Feuer.
Die Zeit der vergangenen rund 2'000 Jahre war der Weltenmonat der Fische. Um das Prinzip zu verstehen, bleiben meine Ausführungen auf unseren europäischen Kulturraum beschränkt. Das genügt, um das Wesen dieser Zyklen zu begreifen.

Aus diesem Blickwinkel ist die Symbolik des Christentums – die zwei Fische – eindeutig. Gegenüber dem Zeichen Fische liegt das Energiefeld der Jungfrau, zusammen bilden sie eine Achse. Nach jahrzehntelanger Forschungsarbeit ist es mir klar geworden, dass dieses Gegenüber des jeweiligen Zeitalters den weiblichen Aspekt des Zeitgeistes beschreibt. Daraus kann auf allen Ebenen ein neues Verständnis für die Verehrung der Jungfrau entstehen.
Fische Energie hat Wasser-Qualität, wir haben 2'000 Jahre lang die kollektive Identität aus diesem Element bezogen. In dieser Zeit entwickelte sich alles, was durch die Emotionen den Menschen direkt berührt: Musik und Bilder (auch erzählte Bilder). Aus diesem Zusammenhang kann abgeleitet werden, dass sich die weisse Rasse auf dem ganzen Planeten ausbreiten konnte und die Macht erhalten hat, über andere Rassen zu herrschen und ihre Kulturen zu zerstören. Manchmal konnten kleinste Gruppen von Eroberern sich einer unvorstellbar grossen Übermacht gegenüber durchsetzen – wie das bei den Indianern der Fall war. Die Energie der Neuen Welt, Wassermann, mit seiner Luft-Qualität, wird die gelbe Rasse unterstützen, da sie Element Luft vertritt. Die Weissen verlieren allmählich ihre Fähigkeit zur Fruchtbarkeit und durch die Zerstörung ihrer Tradition wird ihnen die Kraft genommen. Alle Zeichen deuten auf diesen Vorgang hin, wenn wir nur mit wachen Augen die globale Entwicklung anschauen – auch ohne kosmologisches Wissen.
Die Geisteshaltung des Weltenmonats Fische hat die letzten 2'000 Jahre geprägt – jetzt erfahren wir erst richtig ihre Auswirkungen bzw. die Konsequenzen aus dem Missverständnis ihrer Ideen. Rückblickend, bereits aus der Sicht des Neuen Geistes von Wassermann, ist erst ein objektives Erkennen möglich.
Aus dem was die Vergangenheit uns hinterlassen hat, ist ersichtlich, dass in Griechenland die Idee des Fische Zeitalters bereits im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung voll entwickelt erscheint. In den dionysischen Mysterien mit ihren Bildern und mythologischen Geschichten ist der neue Geist der Fische Qualität nicht zu übersehen. Dionysos ist die Personifizierung des verwirklichten Menschen, wie später Christus. In beiden wurden die göttliche und die menschliche Natur zu einer unlösbaren Einheit zusammengeschmolzen. Ein eindruckvolles Beispiel dafür finden wir auf dem Krater von Derveni, ein kultisches Gefäss, in welchem Wasser mit Wein gemischt wurde – genau so, wie es heute noch in der katholischen Kirche zelebriert wird. Die zentrale Szene auf dem Krater ist die Vermählung von Ariadne (die Seele) mit dem Gott Dionysos.

Die Hingabe Gottes an die menschliche Seele wird immer bedingungsloser, wie das wiederum als zentrale Szene, auf den Fresken der Villa dei Misteri in Pompeji, kurz vor unserer Zeitrechnung dargestellt wird.

In der Übergangszeit zwischen Widder und Fische wird die Idee der neuen Epoche noch in Schönheit und Würde des Menschen verstanden. Die Waage ist ja das weibliche Gegenüber des Widders: die Schönheit, die Ausdruck der Liebe ist, als weiblicher Aspekt Gottes. Jede Gestalt an sich ist weiblich in Bezug zur Idee, die sie erschaffen, hervorgebracht hat. Noch unter dem harmonischen Einfluss der Waage wurde die Idee der Fische empfangen und glitt dann in die Ausdrucksformen der neuen Zeit hinein.
Wir können nur aus der Kenntnis der Fische Energie verstehen, was sich durch den missverstandenen Zeitgeist weiter daraus entwickelte.

Die Idee, dass das Göttliche sich der menschlichen Seele bedingungslos anvertraut – dass Gott Mensch wird – ist die Aussage sowohl in den dionysischen wie in den christlichen Darstellungen. Aber welcher Unterschied liegt in der Interpretation!
Hier stellt sich die grundsätzliche Frage: Was ist die Idee der Fische? Und: Wie ist es zur Entartung in der kollektiven Interpretation gekommen?
Fische ist das letzte Energiefeld der zwölf Zeichen, die mit Widder, dem Durchbruch zum Leben und der freudigen Annahme der Herausforderung zu leben, beginnen. So, wie sich auch der Mensch bei seiner Geburt normalerweise Kopf voran ins Leben zu stürzen wagt. Am Ende des Lebens wird durch die Fische Energie die Sehnsucht erweckt, zu unserer Quelle zurückzukehren. Damit erhalten wir die notwendige Motivation und Energie, all die Bindungen, die uns in dieser Welt halten, aufzulösen. Dieser Prozess der Auflösung wird durch das bedingungslose Vertrauen getragen, damit das Sterben an uns vollzogen werden kann. Sie führt uns zur Gewissheit von Einheit, wo die Trennung zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit aufgehoben ist und zu der Gewissheit, dass wir geliebt sind.
Die bedingungslose Hingabe wurde mit der Zeit immer mehr als Hilflosigkeit und Schwäche verstanden. Die Kreuzdarstellungen in der Geschichte zeigen diesen Vorgang deutlich. Am Anfang war der Mensch am Kreuz, als Zeichen der materiellen Welt, einfach „festgemacht“. Der Kreuzungspunkt war das Herz. Später rutschte der Körper des Gekreuzigten hinunter, so dass sein Kopf an die Stelle kam, wo die zwei Welten, die Horizontale und die Vertikale sich treffen. Die Abwärtsbewegung endete dann mit der elenden Gestalt, dessen Kopf unter den Kreuzungspunkt sank.

Auf dem Isenheimer Altar, auf der Bildtafel mit der so genannten „Versuchung des Heiligen Antonius“, sind die entarteten Formen der zwölf Zeichen als Plagegeister dargestellt. Einzig Fische wird als menschenartige Gestalt gemalt, die das „ganze Menschheit’s Elend“ zum Ausdruck bringt. Das ist im 16. Jahrhundert von der „bedingungslosen Hingabe“ übrig geblieben.

Wo ist die Idee des Christentums geblieben? Die Idee, dass diese Welt von der Schöpferhand in Vollkommenheit auf das Ebenbild Gottes erschaffen ist? Dass Gott sich einzig im Menschen inkarnieren kann, ist zu einem historischen Ereignis, das vor Jahrhunderten stattfand, veräusserlicht worden. Dem Menschen wurde seine Würde als Vertreter Gottes auf dem Planeten geraubt. Seine Unvollkommenheit als Aufgabe innerhalb göttlicher Vollkommenheit ist zu Sündhaftigkeit, Unreinheit, Ausschliesslichkeit und Trennung verkommen. Aus dem weissen, unschuldigen Lamm ist ein schwarzer Teufel geworden. In uns Menschen ist durch Unwissenheit die elende Gestalt des gekreuzigten Göttlichen zur Wirklichkeit geworden.
Im Sufismus heisst es: „Zuerst kommt die Kreuzigung, nachher die Geburt Jesu“. Es ist Zeit, dass wir Jesus vom Kreuz nehmen, ihm die Stille – wie im Grab – gönnen, damit Wandlung geschehen kann. Wir wollen nicht mehr Märtyrer werden – wir brauchen nicht mehr das Leiden als Weg zu gehen - der Geist der neuen Zeit schenkt uns diese Erkenntnis. Eine Hypnose, die die Menschheit befallen hatte, ist von uns genommen. Wir sind davon befreit worden.
Die Ausdrucksformen des Widders Weltenmonats haben der Mars Energie entsprechend das Neue bekämpft. Wir wissen um die Verfolgungen der Christen und später von all den Ausrottungskampagnen der hartnäckig wieder belebten, von Wissen und Weisheit gesättigten Formulierungen des Altertums. Die Formen des Fische Zeitalters sterben lautlos, sie zerfallen oder werden hilflos der Zerstörung ausgesetzt – wie das der Natur dieser Energie entspricht.
Die Frage ist, ob uns der Wassermann Weltenmonat eine neue Form vom „Schleier der Maya“ überwerfen wird? Gurdjieff betont immer wieder, dass die Menschheit dauernd einer „Kosmischen Hypnose“ unterworfen ist, die uns zu jeder Zeit kollektiv im Schlaf hält. Unser Planet ist ein Teil der kosmischen Umgebung und hat in diesem Zusammenhang eine bestimmte Aufgabe, eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Er hat bestimmte Energien zu liefern, kann nicht aus der Reihe tanzen mit „individuellen“ Interessen der Erde. Gurdjieffs Meinung nach können nur individuelle Anstrengungen und Gnade diese Schleier heben und uns aus dem Schlaf erwecken. Das Thema ist ein Studium wert! „Global denken – lokal handeln“ genügt nicht. Das „globale Denken“ ist ein Netz der Neuen Zeit, in welchem wir uns leicht verfangen. Das, was notwendig ist, um radikale Veränderung zu bewirken und zum Überleben der Menschheit beiträgt, ist jenseits des Globalen.
Das könnte die Parole der Neuen Erde sein.
Die erste Manifestation vom Geiste der Wassermann Energie war die Parole der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Damit wurde auf dem Planeten das Neue gezeugt. Die Grösse der Idee wurde mit sehr wenig wirklichem Verstehen umgesetzt – wir kennen die geschichtlichen Ereignisse.
Der Übergang von einem Weltenmonat zum Nächsten geschieht fliessend. Es macht keinen Sinn, genaue Daten dafür zu errechnen, die Zeichen sprechen eine klare Sprache. Es braucht dazu nicht einmal astrologische Kenntnisse, nur einen klaren Verstand und die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu erkennen. Wir erleben es: Die alten Strukturen – die vor rund 2'000 Jahren das Leben im neuen Geiste ermöglicht haben - werden leer, sie hindern jegliche Entwicklung und sie werden sukzessive unterminiert, zersetzt, zerstört. Das Neue beginnt schon während dieses Prozesses zu keimen und setzt sich dann in einem beschleunigenden Tempo allmählich durch. Diese Beschleunigung haben wir innerhalb eines Jahrhunderts erlebt. Die Gehirnforschung stellt fest: Die Funktionsweise unseres Gehirnes hat sich radikal verändert.
Erst heute können wir eine Ahnung davon bekommen, was die Wassermann Energie meint. Sie hat nichts mit Wasser zu tun, umso mehr mit Wellen. In dem Sinne, wie wir heutzutage Wellen, als Aufbauelemente des Universums verstehen und uns in den verschiedensten Frequenzbereichen zu Nutze machen. Früher konnten Wellen nur im Wasser gesehen werden. Die alten Griechen haben diese Energie in der Gestalt des Engels personifiziert. „Schwingungswesen“ wäre gemäss dem heutigen Verständnis eine bessere Bezeichnung als Wassermann. Die Fähigkeit, sich frei zwischen den verschiedenen Frequenzbereichen zu bewegen – damit wären wir bei der Idee der Freiheit.
Was bedeutet Freiheit? Sind wir der Freiheit gewachsen?
Maria Hippius, die Lebensgefährtin von Karlfried Dürckheim, fand eine treffende Formulierung: „Wassermann Energie verleiht nach einem durchlaufenen menschlichen Prozess übermenschliche Fähigkeiten. Ohne diesen Prozess wird jemand durch sie unmenschlich.“ Diese Formulierung beinhaltet den Kern der Problematik der neuen Idee, die sich allmählich durch die Menschheit zu verwirklichen sucht.
Wassermann ist das vorletzte Feld der zwölf Zeichen, dem Steinbock folgend. Diese strenge, klare, auf das Wesentliche reduzierende Kraft zu durchlaufen ist Voraussetzung, um Freiheit zu verstehen. Steinbock lässt die Fähigkeit der Verantwortlichkeit entwickeln. Wenn diese formende „Schulung“ fehlt, geschieht es, dass wir die im Wassermann herrschende Energie des Saturns ausschliessen und nur den zweiten, mitherrschenden Uranus berücksichtigen. Was ich damit meine, soll das während Jahrhunderten gebräuchliche Bild des Wassermannes veranschaulichen.

Die Energie wird aus der Form befreit – bildet aber gleichzeitig einen grösseren Rahmen, in welchem der Befreite miteingeschlossen ist. Die kosmische Ordnung wirkt dann direkt, rein, ohne durch persönliche Muster gebrochen und beschränkt oder gedämpft zu werden. Der Krug – die persönlichen Konzepte – hat eine schützende Funktion. So, wie wir unter normalen Umständen aufwachsen, ertragen wir den kosmischen „Starkstrom“ nicht, er muss hinunter transformiert werden. Durch die Befreiung wird der Mensch unmittelbar Teil der kosmischen Ordnung, wird durch ihre Kräfte getragen. Es gilt, die Möglichkeiten und Notwendigkeiten zu erkennen und der kosmischen Entwicklung als individuelles Instrument zu dienen. Wofür können wir sonst gebraucht werden, ohne dieses „individuelle Instrument“ vorher aufgebaut zu haben? Jeder Mensch ist einmalig in der Schöpfung und hat seinen Ort, seine Funktion, seine Rolle – seinen einmaligen Beitrag. Er hat einen Auftrag, den einzig und allein er erfüllen kann, zum kosmischen Geschehen kann sein Beitrag nicht fehlen. Dafür gibt uns die Neue Zeit Verständnis.
Pir Vilayat Khan sprach davon, dass die Vertreter der Neuen Zeit „engelhaft“ sind – sie steigen nicht ganz in die Inkarnation hinunter, sie bleiben davor stehen, schwebend zwischen Himmel und Erde. Damit wird ein anderes Phänomen der neuen Zeit anschaulich gemacht. Wir alle können es beobachten, wie die heutigen Kinder und junge Menschen eine Klarheit, Sensibilität und Wissen in sich tragen – die Indigokinder. Sie sind mit ihrem göttlichen Ursprung verbunden geblieben – dafür kennen sie die Gefangenschaft der Erdenschwere nicht. Sie sind nicht durch die Taufe „ins Wasser getaucht“ – wie das die Fische Energie symbolisch als Ritual vollzogen hat.
Mir kommt ein Vertreter des Wassermann Archetyps so vor, wie einer, der zur Erfüllung einer Aufgabe auf seinem Hinweg einen reissenden Fluss zu überqueren hat, aber noch auf dem diesseitigen Ufer stehen bleibt und sagt: „Warum soll ich mich ins Wasser stürzen und mich dem kalten Strom mit Gefahren aussetzen – vom anderen Ufer kann die Welt nicht so viel anders aussehen.“
Freiheit individuell zu verstehen – was das bewirkt, hat bereits die Französische (und andere) Revolution gezeigt. Wenn alle die gleichen Rechte haben, führt es zu einer Waben-Muster-Aufteilung des zur Verfügung stehenden Raumes. Ein gutes Beispiel ist dafür die Freiheit, ein Auto zu besitzen: Es führt dazu, dass keiner sich schnell vorwärts bewegen kann!
„Liebe ohne Wissen macht einen dummen Heiligen“. Den kann die Welt heute nicht brauchen.
Ein Beispiel dafür, was ich meine: Es gibt immer wieder Leute, die selbstlos in Gegenden reisen, wo Krieg herrscht, um die Not der Bevölkerung zu lindern. Sie opfern ihr Privatleben, ihre Ruhe und oft auch ihr Geld. Sie bringen selbstlos ihre Energie in die Unruheherde der Menschheit, um individuelles Leiden zu vermindern. Diese Energie wird von den Auseinandersetzungen verschluckt – sie ist Öl auf das Feuer von Hass und gegenseitigem Vernichtungswillen. Jegliche Energie wird von dem lodernden Feuer von Aggression und Angst ins Negative transformiert, verschluckt. Genauso, wie ein rasender Mensch nicht zu beruhigen ist, wenn wir ihm Energie schenken, nicht mit Worten, nicht mit emotionalem Engagement. Seine Wut wird mit jeder Zuwendung nur genährt.
Zum Wassermann gehört die Idee der Freiheit. Wie sieht es aus, wenn wir am Anfang des Weges, wo von Freiheit gar keine Rede sein kann, uns bereits frei fühlen? Wohin führt es, wenn wir unsere Unfreiheit nicht erkennen und die Notwendigkeit nicht sehen, einen Weg zu Freiheit zu durchlaufen,? Was verstehen wir dann unter Freiheit?
Die zweite Idee der Französischen Revolution ist Gleichheit. Diese Idee ist ebenfalls im kollektiven Bewusstsein bereits verankert, ihre Konsequenzen zeigen sich in allen Bereichen. Am stärksten manifestiert sich dieses Lebensgefühl in der Ablehnung jeglicher hierarchischen Struktur, damit auch die Verneinung von Autorität. Sowohl kosmische Strukturen, wie innere Instanzen im Menschen sind hierarchisch aufgebaut. Wenn wir dieses Ordnungsprinzip verneinen, verlieren wir die Orientierung. Die Sicht entsteht und breitet sich wie ein Lauffeuer aus, weil unsere Wahrnehmung zu wenig differenziert ist. Ohne die Entwicklung der Unterscheidungsfähigkeit wird alles „gleich“. Oft kann man beobachten, dass jemand von unterschiedlichen Welten, von Engeln und von Gott spricht, aber gleichzeitig stellt er alles in ein flaches Nebeneinander. Sowohl in der Aussage „alles ist Liebe“, wie in den sozialen Strukturen oder in der Überzeugung, dass von der Fliege bis zum Menschen alles was lebt, gleichwertig ist, wirkt sich eine undifferenzierte Wahrnehmung aus.
Um scheinbar widersprüchliche Aussagen richtig einordnen zu können, benötigen wir ein inneres Wahrnehmungssystem. Einen zweiten Körper, wovon in jeder spirituellen Tradition die Rede ist. Aber wiederum: Die Autorität einer Tradition wird von vornherein abgelehnt. Wir wollen unsere Welt in „Do-it-yourself“ Manieren zusammenfügen – aus den Teilen, die wir auf den spirituellen Supermärkten in Selbstbedienung zusammenkaufen.
Wo wir aber im Leben hinschauen, gilt: In der Funktion herrscht eine hierarchische Ordnung. Wenn wir das verneinen, werden wir in der Politik, in der Wirtschaft, oder durch andere Institutionen aus einer unsichtbaren Ecke von denjenigen manipuliert, die mehr Wissen haben. Jedes Plakat oder Werbeanzeige wird mit einem gewissen Wissen erstellt, und es wirkt.
Dem Wesen nach sind alle Menschen gleich. Alle. Unabhängig davon, welche Funktion sie im Leben erfüllen. Der eine hat mehr Talent als ein anderer, wir haben unterschiedliche Fähigkeiten, die zur Erfüllung von den vielfältigen Funktionen im Leben notwendig sind. Die Voraussetzungen im Leben sind unterschiedlich, sie befähigen nicht alle für alles.
Mit dem dritten Teil der Parole ist es ähnlich. Brüderlichkeit beinhaltet, dass wir jeden Menschen, wie er auch geartet ist, welche Fähigkeiten oder welche Fehler er auch hat, so annehmen, wie einen Bruder. Sind wir nicht alle „Kinder Gottes“? Das Bewusstsein der eigenen Einmaligkeit ist die Stärke des Wassermannes. Erkennen wir auch die Einmaligkeit von jedem Anderen? Erst durch das Erkennen eines anderen Menschen, so wie er ist, können wir von Brüderlichkeit sprechen.
Die Idee der Brüderlichkeit wird durch das Bedürfnis nach Gemeinschaft verwirklicht. Die Familie als Zelle sozialer Strukturen ist nicht mehr stabil. Dafür entstehen Wohngemeinschaften, Patchwork-Familien, Arbeitsgruppen, Lebensgemeinschaften jeglicher Art. Sie können nur funktionieren, wenn sich die einzelnen Mitglieder in ihrer Einmaligkeit mit ihren gegebenen Fähigkeiten und Möglichkeiten in die Verantwortung einbringen. Im gegenseitigen Respekt und mit Toleranz kann jeder sich entfalten und zum Wohl aller beitragen. So lange aber eine Gemeinschaft als Unterschlupf gesucht wird, als der Ort, wo man „getragen“ wird, kann sie nicht funktionieren. Wir stehen erst in der Experimentier-Phase. Es wird einige Generationen brauchen, bis sich eine neue Kultur des gemeinschaftlichen Zusammenlebens bilden kann.
Wenn man die Rolle der Frau aus einer kosmischen Sicht erkennt, ist es ein erstaunliches Phänomen, was mit den Frauen geschieht. Innerhalb eines Jahrhunderts sind sie sich ihrer Kraft bewusst geworden und kämpfen nicht nur für ihre Rechte, sondern setzen sich auch mit Erfolg durch. Sie bleiben nicht mehr - ihrer weiblichen Macht bewusst - bescheiden im Hintergrund. Sie wollen gesehen werden, ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln, selber die Verantwortung übernehmen und Macht ausüben. Man kann das mit den Ereignissen während den zwei Weltkriegen erklären, aber die Gründe liegen tiefer. Die Geschichte ist Geburtshelferin für die Inkarnation der Ideen.
In dem Prozess der Emanzipation der letzten Jahrzehnte haben die Frauen ihre männliche Seite entdeckt und immer klarer gelebt. Die Weiblichkeit wurde von ihnen nicht nur nicht gesehen, sondern sogar abgelehnt, verpönt. Die Weiblichkeit ist nicht emanzipiert.
Die Ursache dafür liegt darin, dass der weibliche Pol des Wassermannes das Feld des Löwen ist. Die Löwe Kraft macht aus jeder Frau eine Königin – mit ihren Ansprüchen und Rechten. Die Frauen-Power ist unaufhaltsam am kommen. Es ist nicht die mütterliche Seite der Frau, die gebärend, Schutz und Raum gebend, für das Wachsen sorgt. Es ist auch nicht die schöne Geliebte, sondern die Gebieterin und die ihrer strahlenden Macht bewusste Himmelskönigin. Sie verleiht den Frauen Würde – aber auch tyrannische Tendenzen.

Wenn wir die „Mutter Erde“ als die Seele des Planeten betrachten, wird sie in jedem Weltenmonat von einem anderen Aspekt geehrt und genährt. Ihr Wachstum hängt von der Art feinstofflicher Nahrung ab, die von der Menschheit zu ihr aufsteigt. Im Fische Zeitalter erhielt sie durch die Anbetung ihres Jungfrau-Aspektes Nahrung: Denken wir an den himmelblauen Umhang der Jungfrau Maria in der Ikonographie der christlichen Tradition. Zurückblickend können wir erkennen, dass die Grosse Göttin, die Seele der Erde, in der Schlichtheit und schmucklosen Einfachheit der Jungfrau verehrt wurde. Jetzt tritt sie als strahlende, machtvolle Himmelskönigin hervor, die über Leben und Tod herrscht.
Wir können lernen, weil wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit, gewisse Muster erkennen können. Die Muster sind in der zyklischen Zeit „eingelagert“. Wenn die Zeit nur den linear laufenden Aspekt hätte, würden wir nie aus der Vergangenheit lernen können, da jeder Augenblick im kosmischen Geschehen neu, einmalig ist.
Das Leben verläuft jedoch nicht nur in einer linear fortschreitenden Zeit, sondern auch in zyklischen Rhythmen. Der Wiederkehr von Tag und Nacht, die Wiederholung der Jahreszeiten jedes Jahr sind Folgen von Drehbewegungen. Wir können uns auf ihren Rhythmus verlassen. Wir wissen, wie am Ende des Tages die Nacht folgt und wie der Frühling nach dem Winter erwacht. Durch das Immer-Wiederkehren der gleichen Abfolgen haben wir gelernt, welche Möglichkeiten die einzelnen Phasen enthalten, was ihr Wesen ist, wie wir sie nutzen können. Es ist uns selbstverständlich geworden, in diesem Rahmen mit der zyklischen Zeit zu leben.
Das Gleiche gilt für die zyklische Zeit des grossen Weltjahres. Es ist aber eine andere Zeitordnung, die durch ihre Grösse nicht so einfach zu durchschauen ist. Im kosmischen Geschehen gilt das Gesetz der Analogie: Wenn wir Grundstrukturen in einem System erkennen, können wir sicher sein, dass ein anderes System, in seiner eigenen „Verkleidung“ in der gleichen Struktur aufgebaut ist. Wenn wir das Prinzip der zyklischen Zeit im Kleinen erkennen, können wir auf das Grössere folgern. Es ist notwendig zu erkennen, dass jeder Augenblick in der Schöpfung – im kosmischen Geschehen – sowohl einmalig, wie auch einer zyklischen Ordnung untergeordnet ist. Das eine schliesst das andere nicht aus, sie bilden zwei Aspekte der Zeit.
So, wie der Zeitgeist der Fische durch die Emotionen auf die Menschheit gewirkt hat, so arbeitet der Wassermann durch das „Mentale Tor“. Aus diesem Grund hängt unsere Zukunft vom Erkennen und Verstehen ab. Das Engelhafte „Intuition ist genug“ reicht nicht. Es ist erfahrenes Wissen, das Verstehen notwendig. Eigenartigerweise ist die Schwäche unserer Zeit aber, dass dies nicht erkannt wird. Die Einstellung ist weit verbreitet, dass wir kein Wissen brauchen. Der Begriff Weisheit, der besagt, welche Qualität von Wissen ich meine, stirbt sogar aus. Dann werden die Lücken vom Wissen durch Vorstellungen ersetzt. Vorstellungen über uns, über Gott, über die diesseitige und jenseitige Welt.
Haben wir den EINEN Wunsch, die Wirklichkeit zu erkennen? Sind wir bereit, dafür zu „zahlen“? „Wieso wollen die Menschen nicht lernen?“ hat mich kürzlich mein 18-jähriger Enkel gefragt. Ich konnte ihm nicht spontan antworten. Jetzt würde ich sagen: Weil sie gar nicht wissen, was wirkliches Wissen beinhaltet. Sie haben keinen Ansatz dazu und von der Kopflastigkeit haben sie genug.
Manchmal werde ich gefragt: „Warum hat man mir das nicht früher gesagt?“ Ich kann dann nur zurückfragen: „Wer hätte Ihnen das sagen können?“ Wir kommen nicht darum herum, dass es eine ganzheitliche Entwicklung braucht, die Körper, Seele und Geist erfasst. Zuerst müssen aber in einer Pionierarbeit diejenigen heranwachsen, die diese ganzheitliche Förderung verstehen und übermitteln können.
Wir stehen auf der Bühne von atemberaubendem, kosmischem Geschehen. Ich meine dies sehr konkret: Dieser Dimension gegenüber fühlen wir uns ohnmächtig – sie kann uns den Atem nehmen. Gurdjieff meinte, wenn uns die Schleier unserer Illusionen genommen wären und wir der Wirklichkeit gegenüber stünden, würden wir sterben, weil wir sie nicht ertragen könnten. Wir sind noch keine geistigen Astronauten, die eine Reise ins Weltall – und die damit verbundene Sicht des Planeten Erde – ertragen würden.
Jeder Verlust von Illusion bedeutet Sterben. Sterben von unserer beschränkten kleinen Welt, um zu einer grösseren Wirklichkeit zu erwachen. Das ist die Bedeutung der Aussage aus der Sufitradition: „Stirb, bevor du stirbst“. Es ist ein ständiges Einschmelzen unserer Identität, zu Gunsten vom Hineinwachsen in unsere angelegten, kosmischen Möglichkeiten. Ein dauerndes Wachsen – mit Wachstumsschmerzen. Es ist eine fortwährende Geburt mit Wehen. Es ist ein Wachsen, um durch die Spannungen, die uns auferlegt werden, zu einer grösseren Spannkraft und Tragfähigkeit geführt zu werden. Wir werden in beiden Richtungen geöffnet: Zum Grösseren und zum Kleineren hin. Wir können immer mehr Zusammenhänge wahrnehmen, bis wir erkennen, dass alles mit allem in unmittelbarem Zusammenhang steht. Wir werden zur Einheit geführt, in welcher die kleinsten und die grössten Ereignisse gleichwertig sind – Teil der einzigen Wirklichkeit. Das Kleine bleibt klein und das Grosse bleibt gross, alles an seinem Ort. Aber die Wertung, das „nur“ verschwindet. Wir werden zur Brücke zwischen Himmel und Erde - zwischen Einheit und Vielheit.
Es wird uns allmählich klar: Wir sind Nichts und GLEICHZEITIG hängt von uns die Entwicklung des Universums ab. Das gibt uns wieder den Atem zurück. Dieser Atem ist ein Mitschwingen mit dem Atem des Universums.
Was wir einatmen, enthält Informationen allerlei Art. Welche Informationen, die uns Licht bringen, können wir in uns aufnehmen? Welche können wir löschen, damit sie in der Erdatmosphäre nicht weiter zirkulieren und sie weiter vergiften? Welche transformieren und erlösen wir? Das hängt von unserer eigenen Verfassung ab. Das ist unsere Verantwortung: Präsent zu sein, damit durch uns, durch unseren Atem, der Planet gesunden kann. Jeder Atemzug zählt. Jeder. „Unterschätzt euch nicht“, betont Reshad Feild immer wieder.
Mit jedem Ausatmen gehen Botschaften in die Welt hinaus: In 2-3 Wochen breiten sich die ausgeatmeten Atome, geprägt mit der Botschaft unseres Seins, über den Planeten aus. Das ist keine Phantasie – es ist Statistik. (Arnold Benz: Die Zukunft des Universums)
Wir können dort, wo wir im Leben hingestellt sind, unseren Beitrag zum Neuen leisten. Es gibt keinen „wichtigen“ oder „nicht so wichtigen“ Beitrag. So, wie wir sind, dort, wo wir sind. Bis zum letzten Atemzug können wir zur Gestaltung der Neuen Welt beitragen.
Wir sind Teil von dem EINEN WERDENDEN UNIVERSUM. Das Universum ist – gleich uns – am Wachsen, in jedem Augenblick wird es sterbend neu geboren und liegt in andauernden Geburtswehen. Unser Planet und die Menschheit nehmen TEIL an diesem Prozess. Das Wachsende ist noch unvollkommen, noch nicht fertig. Die Vision der Vollkommenheit gibt aber die Richtung an, sie ist die Herausforderung.
Das Elektron ist eine Möglichkeit – wie die Quantenphysik uns sagt. Erst wenn es von einem Atom „eingefangen“ und sein Teil geworden ist, wird es ein Bestandteil von einem grösseren System. Von einem Elektron kann man nicht sagen, dass es existiert, aber auch nicht, dass es nicht existiert. Auf Grund vom Gesetz der Analogie sind wir Menschen so, wie wir vom Leben auf dem Planeten erzogen werden, auch erst Möglichkeiten – wie das uns aus spiritueller Sicht gesagt wird – in Bezug auf eine grössere Einheit. Wir existieren und wir existieren nicht.
Was ist diese „grössere Einheit“?
Durch die Zerstörung von alten Formen, werden Energien, die in den Mustern gebunden waren, freigesetzt. Durch diesen Vorgang steht uns heute eine unvorstellbare Menge an Energie zur Verfügung. Wozu wird sie genutzt? Sind wir uns der Verantwortung bewusst, dass wir durch unser Verstehen und die Fähigkeit zu handeln, die Muster der zukünftigen Welt erschaffen? Jeder Atemzug kann zur Handlung werden.
Die Konsequenzen dieser Studie münden in die Notwendigkeit der Gründung einer Schule. Es besteht das dringende Bedürfnis nach einem Ort, wo das entsprechende Wissen zur Verfügung steht und der Raum für Studium, Austausch und Wachsen gegeben ist. Ein Ort, an dem die Voraussetzungen zur Bildung von Menschen gegeben sind, um in Weisheit, Liebe und Handlungsfähigkeit wachsen zu können. Ein Ort, an welchem Informationen, Techniken und Begleitung vorhanden sind.
Die Vision reift seit langen Jahren dafür – erste Erfahrungen in einer kleinen Gruppe sind bereits gemacht.
„Ich möchte diese Schule
ars sacra Akademie
nennen.„
Amden, 22. Mai 2007
Agnes Hidveghy
